Geschichte

HTW Motorsport ist ein studentisches Projekt an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Ziele dieses Projektes sind die Konstruktion, Fertigung und Vermarktung eines Formel-Rennwagens sowie die erfolgreiche Teilnahme an einem internationalen Hochschulwettbewerb – der Formula Student.
Ende der 70er Jahre wurde dieser Konstruktionswettbewerb von der Society of Automotive Engineers als Formula SAE in den USA ins Leben gerufen. Seit 2006 findet die Formula Student, veranstaltet vom VDI, nun auch in Deutschland statt und der  HTW-Motorsport ist von Anfang an dabei.
 
Unter Beachtung verschiedener Maßgaben durch ein Reglement soll ein Rennwagen gebaut werden. Entscheidend ist aber nicht allein dessen Performance. Wichtige Kriterien sind u.a. die Konstruktion, Finanzplanung und Verkaufsplanung. All diese Aspekte werden bei einem Wettbewerb bewertet. Dazu tritt das Team mit seinem Fahrzeug in verschiedenen dynamischen und statischen Disziplinen an. Eine Jury von Experten aus der Automobil- und Zulieferindustrie schaut den angehenden Ingenieuren über die Schulter und bewertet jeden Aspekt des Fahrzeugs.
 
Durch die Teilnahme an diesem Projekt zeigen Studenten Eigeninitiative und Engagement, erhalten aber auch tiefgreifendes und fundiertes Wissen über die reguläre studentische Ausbildung hinaus. Zusätzlich werden Soft Skills wie Teamfähigkeit, Teamkommunikation, der  Umgang mit Kritik und Verantwortung gefördert. Dies und die Kontakte zur Industrie, welche während des Projektes geknüpft werden, verschaffen ihnen zukünftig einen Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt.
 
Im August 2010 nahm das HTW-Motorsport Team bereits zum fünften Mal in Folge an der Formula Student Germany teil. Mit dem BRC07 (Berlin Race Car 2007) erreichte es als neunzehntes von insgesamt 54 internationalen Teams die bisher beste Platzierung. 2008 landete das Team aufgrund einer defekten Benzinpumpe im Endurance auf  Platz 46 von 78 Teilnehmern, 2009 durften wir auf Grund einer zu lauten Abgasanlage nicht starten.
Costas Dalianes, Teamchef 2011
 
2010 war auch im Team der Übergang von Diplom- zu Bachelorstudiengängen spürbar. So verließen leider viele Leistungsträger ohne qualifizierten Nachwuchs das Team. Zu allem Überfluss bewirkte eine unglückliche Teilnahme an dem damals neu eingeführten Registrierungsquiz für die Formula Student Germany eine Platzierung auf der Warteliste. Diese bedeutete die erstmalige Abwesenheit des HTW Motorsports an einem Formula Student Germany Event.
 
Im Zuge dessen formte sich das Team mit neuen und einigen verbliebenen Mitgliedern neu. Die Entwicklungsdaten der Saison 2010 wurden erneut geöffnet und aus ihnen wurde der BRC11 entwickelt. Durch die erfolgreiche Registrierung für das Formula Student Germany Event 2011 in Hockenheim war nun auch ein Wettbewerb für den BRC11 gefunden. Dieser entstand in der schier ewig andauernden Fertigungsphase, welche das noch junge und meist unerfahrene Team vor stets neue Herausforderungen stellte. Nachtschichten und einige Rückschläge nagten an den Gemütern.
Erst mit der Ankunft in Hockenheim wandelten sich die müden Gesichter in lachende. Es standen aufregende Tage und viel Neues vor uns. Wir konnten nahezu in jedem Event Punkte ergattern, lediglich der Endurance ließ den BRC11 scheitern. Grund dafür war die notgedrungen angebrachte Kabelverbindung zum Lenkrad, welche beim Lenken einen Hauptschalter betätigte. Die ungeladene Batterie ließ unseren Motor jedoch nicht wieder starten. Mit betrübten Gesichtern ging es abends zur Award Ceremony. Doch die unerwartete Auszeichnung des Teams mit dem Sportmanship Award 2011 ehrte unser Team für die Vergabe unseres einzigen Ersatzmotors an das Team aus Coburg. So hinterließ Hockenheim 2011 überwiegend positive Eindrücke sowie den ersten Award für das Team.
 
In der Saison 2012 konnte sich das Team wieder weiterentwickeln, da etliche Leistungsträger geblieben sind und das Team sowie seine neuen Mitglieder vorantrieben. Durch eine erfolgreiche Registrierung stand diesmal nicht nur die Formula Student Germany, sondern auch die Formula Student Hungary für uns im Rennkalender. Somit nahm das Team erstmals in seiner Geschichte an einem Event im Ausland teil.
Die Teilnahme in Hockenheim meisterte das Team bis zum Acceleration, welcher mit einem 8. Platz abgeschlossen wurde, ohne größere Schwierigkeiten. Danach verhinderten ein Ausfall der Schaltelektronik sowie ein Fahrwerksbruch die Teilnahme am Skid Pad und dem Autocross. Am letzten Tag stand nun der Endurance bevor, dieser wurde jedoch durch eine fehlerhafte Steckverbindung in der Bordelektronik nach 1/3 der Renndistanz beendet. Dies war schnell vergessen als wir mit dem Media Award 2012 ausgezeichnet wurden.
Mit vollem Tatendrang ging es dann auf nach Ungarn, um Erfahrungen und Eindrücke eines anderen Events einzufangen. Viele technische Abnahmen waren schnell überstanden, nur der Brake Test fehlte noch. Leider war dieser auch das letzte Fahrmanöver in Ungarn. Ein kapitaler Motorschaden verhinderte den Abschluss der Technischen Abnahme und damit auch die Teilnahme an den dynamischen Disziplinen. Denn auch der kurzfristig erworbene Motor aus Budapest erwies sich als beschädigt und beendete den unermüdlichen Kampf der Teammitglieder. Trotzdem bleiben schöne Erinnerungen an Ungarn. Besonders das speziell  familiäre Gefühl des Events, sowie die Gewissheit alles erdenklich Mögliche getan zu haben, um den BRC12 doch noch einmal in Ungarn zu fahren, prägen die Erinnerungen.

Im Jahr 2013 konnte das Team Dank einer überragenden Leistung den 1. Platz in der Disziplin Business Plan in Ungarn gewinnen. Überdies nahm das Team das erste Mal an drei Events Teil. Bei der Formula Student Czech fuhr der BRC13 erfolgreich durch den Endurance.

Ein Jahr später führten die kontinuierlich steigenden Platzierungen zu einem Platz in der Top 10 der Gesamtwertung der Formula Student Hungary. Der schnellste BRC der Geschichte des HTW Motorsport erreichte im Acceleration in Hockenheim einen Spitzenwert von 3,96 s. Eine recycelte Jeans bot den Stoff für das Headrest und eine Brotbox in Form eines Legosteins beherbergte Teile der Fahrzeugelektronik.

In der Saison 2015 erfolgte ein grundlegender Konzeptwechsel. Von einem Vier-Zylinder Yamaha Motor wechselte das Team auf einen Ein-Zylinder Motor von KTM mit Turbolader, von Stahlgitterrohrrahmen auf Hybridmonocoque, von Carbon- auf Stahlfahrwerk und von keiner Aerodynamik auf ein Vollaeropaket inklusive Front-, Heck- und Seitenflügel. Hervorstechend bei den Statics war ein 7. Platz im Business Plan bei FSG und 12. Platz bei FSH.

In der folgenden Saison wurde an diesem Konzept festgehalten. Die Erfahrungen des vergangenen Jahres boten die Möglichkeit, das gesammelte Wissen in die Weiterentwicklung der Bauteile des BRC16 zu investieren. Durch den Verzicht auf einen Turbolader, konnte der Fokus auf die Motorsteuerung und -Applizierung gelegt werden. Eine weitere Verbesserung in der Fahrzeugüberwachung, konnte durch die bidirektionale Ansteuerung des Steuergeräts über Wlan erreicht werden.  Erneut konnte der Business Plan in Hockenheim die Top 10 erreichen.

Eine der erfolgreichsten Saisons ist das Jahr 2017. Seit langer Zeit war der HTW Motorsport wieder auf drei Events vertreten. Vor allem in den Statics wurden sehr gute Ergebnisse erzielt. Bei FS East in Ungarn, FS Austria in Spielberg und FSG in Hockenheim erreichte das Business Plan Team das Finale und beendete dies sowohl in Österreich, als auch in Hockenheim jeweils mit einem dritten Platz. Eindrucksvoll sind auch zwei Top 10 Ergebnisse im Cost Event. Doch auch in den Dynamischen Disziplinen konnte mit dem BRC17 gepunktet werden. Highlights sind hierbei ein 9. Platz im Skidpad in Österreich und ein 14. Platz in Hockenheim. Der Höhepunkt der Saison: Endurance bei der FSG. Das erste Mal seit 10 Jahren beendete der HTW Motorsport die Königsdisziplin der Formula Student erfolgreich in Hockenheim. Gekrönt wurde dieser Tag mit der Award Ceremony und dem FS Most Reactive Gardening Equipment Providing Team Award. Ca. 30 Teams profitierten von unserem Rasenmäher Bert und konnten so auf einem gemähten Grundstück ihr Camp aufbauen.

Seit nun über 11 Jahre schrauben, fräßen, konstruieren und vermarkten die motorsportbegeisterten Studierenden der Hochschule für Technik und Wirtschaft an ihrem Boliden um jedes Jahr noch ein Stück besser und erfolgreicher an der Formula Student teilzunehmen.